Erfolgreiche Premiere in hoch aktueller Nische

Am 20. Oktober 2006 ging die Konferenz "Model-Driven Development and Product Lines: Synergies and Experience" nach zwei höchst erfolgreichen Konferenztagen zu Ende. Zu der mit achtzig Teilnehmern restlos ausgebuchten Konferenz hatten sich Vertreter aus Industrie und Forschung in der "Alten Nikolaischule" zu Leipzig eingefunden, um Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Nach den zwei mit interessanten Vorträgen und Podiumsdiskussionen besetzten Konferenztagen konnte eine durchweg positive Bilanz gezogen werden. Aufgrund des Erfolges und des Interesses findet die Konferenz 2007 in der letzten Septemberwoche erneut in Leipzig statt.

Organisiert wurde die Konferenz vom Institut für industrielle Softwaretechniken e. V. (IIST) und dem Institut für Wirtschaftsinformatik (IWI) der Universität Leipzig. Sie diente insbesondere dem Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Industrie und Forschung und bot eine hervorragende Gelegenheit, um Kontakte zwischen Praxis und Forschung sowie zwischen Anbietern und potenziellen Anwendern zu knüpfen.Professor Ulrich Eisenecker eröffnet die Konferenz Zu den Partnern und Teilnehmern der Konferenz gehörten unter anderem Tool-Hersteller, Methodenentwickler sowie Pilotanwender. Der Fokus lag dabei nicht auf den Anforderungen von Entwicklern sondern vielmehr auf dem Informationsbedarf von Managern und Entscheidern. Ihnen sollte die Möglichkeit geboten werden, sich über Potenziale und Chancen des Einsatzes von Methoden und Werkzeugen der modell- getriebenen Softwareentwicklung im Softwareentwicklungsprozess zu informieren. Ziel war es, den Sponsoren und Partnern die Möglichkeit zu eröffnen, mit interessierten Anwendern in Kontakt zu treten, ihnen aktuelle Informationen zu vermitteln sowie ihre Ansätze und Lösungen vorzustellen. Die Durchgängigkeit der zugrunde liegenden Methoden und Werkzeuge stand dabei im Mittelpunkt.

Die Hauptthemenbereiche der Konferenz waren modellgetriebene Softwareentwicklung (MDD), domänenspezifische Modellierung (DSM), Softwarefactories und Werkzeuge, Produktlinien sowie Software-Ökonomie. Das Auditorium Die modellgetriebene Softwareentwicklung befasst sich mit Methoden und Werkzeugen, um Software und ihre Artefakte teilweise beziehungsweise gänzlich mit Hilfe von Generierungs- oder Konfigurationsmechanismen weitgehend automatisch zu erzeugen. Grundlage hierfür sind konkrete Modelle einer Problem- domäne, welche basierend auf dem Metamodell dieser Domäne erstellt werden. Hierbei besteht die vorrangige Aufgabe des Entwicklers nicht im Programmieren selbst, sondern in der fachlich korrekten Abbildung eines Domänenkonzepts auf ein Modell. Dabei stehen ihm Domänenexperten zur Seite. Die abschließende Transformation des Modells, beispielsweise in Quellcode, erfolgt dann durch (Konfigurations-)Generatoren. Die modellgetriebene Softwareentwicklung spielt insbesondere im Zusammenhang mit Produktlinien eine wesentliche Rolle. Unter einer Produktlinie kann beispielsweise eine Menge von an kundenspezifische Anforderungen angepasster Software verstanden werden. Durch diese Anpassung an spezielle Präferenzen wird eine Vielzahl individueller Produkte mit gemeinsamer Basis erzeugt. Die Methoden und Werkzeuge der modellgetriebenen Softwareentwicklung stellen dabei die Grundlage für eine effektive und effiziente Umsetzung dar.

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die Konferenzinhalte gegeben werden. Ausführliche Informationen zu den Partnern und Vorträgen finden Sie unter den Menüpunkten "Partner/Sponsoren" und "Programm".
Den umfangreichsten Themenbereich bildete die modellgetriebene Softwareentwicklung in all ihren Facetten.Thomas Stahl Thomas Stahl (b+m Informatik AG) zeigte in seinem Vortrag "MDSD-spezifisches Projektmanagement" Potenziale und Möglichkeiten auf, um Produktentwicklungen und Projekte mittels MDSD-spezifischem Projektmanagement möglichst effizient und hoch qualitativ zu gestalten. Dabei ging er insbesondere auf methodische und organisatorische Maß- nahmen sowie auf Problemstellungen und praxisbewährte Lösungsmuster ein. Der Beitrag von Markus Völter "Steigerung der Softwarequalität durch modellgetriebene Entwicklung" vertiefte den Aspekt der Qualitätssteigerung im Rahmen der modellgetriebenen Softwareentwicklung und konkretisierte diese anhand komponentenbasierter und serviceorientierter Architekturen. Hierbei standen insbesondere die Themen Architektur und Architekturentscheidungen, automatisierte Implementierung großer Codeanteile sowie Wartbarkeit, Performanz und Skalierbarkeit im Vordergrund.

Über die praktischen Erfahrungen beim Einsatz von Werkzeugen und Methoden der modellgetriebenen Entwicklung berichtete Peter Hänsgen (Intershop Communications AG). Die Intershop Communications AG setzt diese seit längerer Zeit erfolgreich bei der Entwicklung von E-Commerce Software ein.Professor Volker Gruhn Professor Volker Gruhn (Universität Leipzig) schilderte seine Erfahrungen anhand des Projektes 21c, der Entwicklung eines Informationssystems für die gesetzlichen Krankenversicherer. Dr. Christoph Niemann (otris software AG) stellte die Frage "Modellgetriebene Software-Entwicklung: Wunsch oder Wirklichkeit?". Hintergrund sind die Versprechen der modellgetriebenen Softwareentwicklung hinsichtlich höherer Softwarequalität, höherer Abstraktions- niveaus und effizienterer Entwicklung. Der Vortrag beleuchtete diese Punkte anhand der Praxiserfahrungen aus Projekten die über mehrere Jahre modellgetrieben entwickelt wurden. Den Gesichtspunkt einer wirtschaftlicheren Softwareentwicklung mit Hilfe modellgetriebener Softwareentwicklung griff Roman Roth (innoQ Schweiz GmbH) auf. Als besonders relevant stellt sich seines Erachtens die Erstellung und Pflege des Modells einer hinreichend präzisen und maschinell verarbeitbaren Softwarespezifikation dar. Hierbei kommt es ganz entscheidend auf Mechanismen an, die aus einer existierenden Codebasis mittels maschineller Analyse ein Modell erzeugen und somit einen kostengünstigen Einstieg in die modellgetriebene Softwareentwicklung ermöglichen. Interessante Einblicke gewährten die dargestellten Erfahrungen mit modellgetriebener Softwareentwicklung bei der Modernisierung von Softwaresystemen in Großunternehmen.

Über den Einsatz und die Weiterentwicklung von Methoden der modellgetriebenen Softwareentwicklung sprach Dr. Axel Uhl (SAP AG).Dr. Axel Uhl Zentraler Punkt waren die Heraus- forderungen, die durch die Zunahme von Komplexität sowie die Anzahl von Modellen und Modellierungssprachen entstehen. Dr. Uhl beschrieb einige dieser Heraus- forderungen und stellte in diesem Kontext auch die Lösungsansätze der SAP AG vor. Insbesondere im Bereich der Fahrzeug- funktionalität haben es die Entwickler mit einem hohen Maß an Variabilität zu tun. Diese entsteht unter anderem durch gesetzliche Rahmenbedingungen, gestiegene Anforderungen und die technische Auslegung elektronischer Systeme. Das führt dazu, dass gerade im Automotive-Bereich immer mehr Software modellbasiert entwickelt wird. Der Beitrag von Jens Weiland (DaimlerChrysler AG) über "Modellbasierte Variantenkonfiguration von Embedded Automotive Software" vertiefte die Besonderheiten und wesentlichen Aspekte der modellbasierten Variantenkonfiguration von Embedded Automotive Software am Beispiel einer durchgängigen Werkzeugkette. Das Thema Variantenbildung wurde unter dem Gesichtspunkt variantenreicher Prozesse durch Professor Bogdan Franczyk (Universität Leipzig) erweitert. Hierbei ging es um die Modellierung von Prozessvariabilitäten und deren Umsetzung in Softwareprodukten einer Produktlinie. Die Zusammenhänge wurden anhand von Beispielen aus dem E-Business Bereich, welche im Rahmen des PESOA-Projekts entwickelt wurden, verdeutlicht. Der Begriff der modellgetrieben Entwicklung ist, wie auch dieser Beitrag zeigt, eines der aktuellen Schlagworte der Softwareentwicklung und mit hohen Erwartungen seitens der Anwender verbunden. Allerdings müssen die erstellten Modelle in ausführbare Anwendungen überführt werden. In diesem Zusammenhang illustrierte Rüdiger Schilling (Delta Software Technology GmbH) die Notwendigkeit von Generatoren und die Betrachtung der Generatorentwicklung als eigenständige Domäne. Er ging dabei insbesondere auf zugrunde liegende Konzepte der generativen Programmierung sowie benötigte Methoden und Werkzeuge zur Generatormodellierung und -entwicklung ein.

Die domänenspezifische Entwicklung ermöglicht die Erstellung von Systemen zur Generierung von Anwendungen auf Basis von domänenspezifischen Sprachen.Steve Cook Diese bilden die den Nutzern vertrauten Konzepte einer Domäne ab. Dadurch können sowohl Agilität als auch Produktivität erhöht und die Basis für die Entwicklung von Produktlinien geschaffen werden. Steve Cook (Microsoft) erläuterte anhand von Beispielen und im Kontext von Microsofts strategischer Software- Factories Initiative die Prinzipien der domänenspezifischen Entwicklung. Carsten Bock (Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG) referierte in seinem Vortrag "Visuelle domänenspezifische Sprachen - Der Schlüssel zur modellgetriebenen Entwicklung von Mensch- Maschine-Schnittstellen?" über die Chancen und Potenziale domänen- spezifischer Modellierung zur Realisierung modellgetriebener Entwicklungsprozesse. Ausgangspunkt war hierbei die zunehmende Funktionsvielfalt von Bediensystemen und die daraus resultierende Zusammenarbeit von Experten aus unterschiedlichen Domänen. Um die Entwicklungsprozesse möglichst effektiv und effizient zu gestalten, werden DV-Werkzeuge benötigt, die den Entwicklern über alle Projektphasen hinweg eine leistungsfähige Unterstützung bieten. Er demonstrierte das anhand des Beispiels der Entwicklung einer graphischen Benutzungsoberfläche für Fahrerinformationssysteme und ging dabei auf Erfahrungen bei der Erstellung visueller domänenspezifischer Sprachen ein. Die domänenspezifische Modellierung bietet die Möglichkeit, die Produktivität bei der Software-Entwicklung durch eine signifikante Erhöhung des Abstraktionsniveaus zu steigern. Mit Hilfe von domänenspezifischer Modellierung können Modelle entwickelt werden deren Bestandteile Teil der Problemdomäne sind. Sie ermöglichen es dem Entwickler direkt mit den Konzepten einer Domäne zu arbeiten.Dr. Juha-Pekka Tolvanen In einer Vielzahl von Fällen kann aus den hoch abstrakten Spezifikationen mit Hilfe domänenspezifischer Code-Generatoren der vollständige Code eines Softwareproduktes automatisch generiert werden. Dr. Juha-Pekka Tolvanen (MetaCase) zeigte in seinem Beitrag "Making Models Work: Domain- Specific Modeling for Full Code Generation" die Möglichkeiten der domänenspezifischen Modellierung anhand konkreter Beispiele aus der Softwareentwicklung auf. Außerdem ging er auf wesentliche Aspekte zur Implementierung domänenspezifischer Modellierung ein.

Im Zusammenhang mit dem Thema Produktlinien stellte Dr. Danilo Beuche (pure-systems GmbH) typische Ausgangsszenarien für eine Umstellung existierender Systeme auf Softwareproduktlinienentwicklung vor und skizzierte eine Vorgehensweise für den Ablauf der technischen Migration. Neben den technischen Aspekten wurden auch bereits existierende Ansätze zur organisatorischen Gestaltung des Umstellungs- sowie des sich anschließenden Produktlinienentwicklungsprozesses diskutiert.
Gunther Lenz (Siemens Corporate Research) gab mit seinem Vortrag "Software Factories in the Real World" interessante Einblicke in die Anwendung der Theorie der Software Factories. Dabei präsentierte er die Ergebnisse der "ISpySoft" Software Factories Fallstudie. Basierend auf dieser Fallstudie demonstrierte er die Realisierung einer Software Factory anhand eines konkreten Projekts und ging auch auf die zugrunde liegenden Implementierungsstrategien, Best Practices und Erfahrungen ein.
Professor Ulrich Eisenecker (Universität Leipzig) referierte zum Thema Software-Ökonomie. Er ging dabei auf Preisbildungs- und Preis- differenzierungsmechanismen sowie Möglichkeiten der Lizenzierung ein und zeigte Chancen sowie Nutzenpotenziale im Kontext von Produktlinien auf.

Das Vortragsprogramm wurde durch zwei Podiumsdiskussionen ergänzt. Teilnehmer des ersten Panels, welches unter dem Titel "Methoden und Werkzeuge" stand,Panel zum Reifegrad der Methoden und Werkzeuge waren Axel Uhl, Markus Völter, Clemens Reichmann und Jens Weiland. Die Moderation der durchaus kontrovers geführten Diskussion zum Reifegrad der verfügbaren Methoden und Werkzeuge hatte Dr. Danilo Beuche. Das zweite Panel behandelte das Thema Management im Kontext der modell- getriebenen Softwareentwicklung. Die Diskussion mit Juha-Pekka Tolvanen, Thomas Stahl, Danilo Beuche und Ulrich Eisenecker leitete Rüdiger Schilling.

Neben den fachlichen Highlights gab es am Abend des ersten Konferenztages auch ein soziales Highlight. Bei einem geselligen Abend in Auerbachs Keller boten sich den Teilnehmern die Möglichkeiten des intensiven fachlichen und persönlichen Austausches in literarisch bedeutsamer und historischer Atmosphäre sowie einer Reise auf Dr. Faustus Spuren.

Wir danken allen Gästen für ihre rege Teilnahme und die positive Resonanz.Panel zu den Managementaspekten Unser besonderer Dank gilt den Partnern und Sponsoren b+m Informatik AG, Delta Software Technology GmbH, innoQ Deutschland GmbH, Intershop Communications AG, Markus Völter, MetaCase, Microsoft .NET User Group Leipzig, Microsoft Deutschland GmbH, otris software AG, pure-systems GmbH sowie der SAP AG, die die erfolgreiche Durchführung der Konferenz durch ihre Unterstützung und Mitwirkung erst ermöglicht haben. Wir würden uns freuen, auch Sie nächstes Jahr als Partner, Sponsor oder Konferenzteilnehmer begrüßen zu dürfen.

Sollten Sie daran interessiert sein, Partner oder Sponsor zu werden, wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Ulrich Eisenecker (email: eisenecker at wifa.uni-leipzig.de)."

Gespräche in gemütlicher Runde Auf Dr. Faustus Spuren Auch der Ritt auf dem Fass durfte nicht fehlen